Faire Plattformarbeit und die Zukunft der Plattformökonomie – ein „Arbeitsgespräch“ zwischen Arbeitsminister Hubertus Heil und Philip Huffman, Mitbegründer und CEO der Plattform Helpling

Bild Heil: BMAS / Dominik Butzmann; Bild Huffmann: Bild von Helpling Communication auf flickr

In der aktuellen Folge des Podcasts „Das Arbeitsgespräch“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales diskutiert Arbeitsminister Hubertus Heil mit Mitbegründer und CEO der digitalen Plattform Helpling Philip Huffmann über faire Plattformarbeit und die Zukunft der Plattformökonomie. Während Uneinigkeit bezüglich konkreter Vorgehensweisen bei der Regulierung von digitalen Plattformen besteht, können die Gesprächspartner sich auf gemeinsame Ziele einigen (English version below).

Die digitale Plattformökonomie ist ein wirtschaftliches Erfolgsmodell. In nahezu allen Lebensbereichen verbinden digitale Plattformen inzwischen Dienstleistende mit KundInnen. Ein Beispiel ist die Vermittlungsplattform Helpling, über die KundInnen haushaltsnahe Dienstleistungen buchen können, die von Selbstständigen oder Unternehmen durchgeführt werden. Problematisch kann Plattformarbeit dann werden, wenn ArbeitnehmerInnenschutz nicht gewährleistet ist und prekäre Arbeitsbedingungen (z.B. hinsichtlich des Anspruchs auf Mindestlohn, Kündigungsschutz und soziale Absicherung) entstehen. Während das Bundesarbeitsministerium daher einen neuen Ordnungsrahmen für die Regulierung der Plattformarbeit vorschlägt, befürchten UnternehmerInnen wie Philip Huffmann starke Einschränkungen für Plattformbetreibende und Selbstständige sowie eine Stärkung des Schwarzmarktes.

Faire Plattformarbeit

In der neunten Folge des Podcasts „Das Arbeitsgespräch“ diskutieren Hubertus Heil und Philip Huffmann über die Frage nach fairer Plattformarbeit. Arbeitsminister Heil sieht neben Chancen der Plattformökonomie, etwa die Entstehung neuer Geschäftsmodelle und Vorteile für KundInnen, auch die Gefahr der Ausbeutung von Arbeitenden. Prekäre Arbeitsbedingungen würden durch kippende Machtverhältnisse weiter verschärft und statt unternehmerischer Freiheit könnten abhängige Beschäftigungsverhältnisse im Sinne von Scheinselbstständigkeit entstehen. Das bestehende Arbeitsrecht reiche dabei nicht mehr für die digitale Arbeitswelt. Im Rahmen eines Eckpunktepapiers legte sein Ministerium daher im Herbst 2020 einen Ordnungsrahmen für faire Arbeit in der Plattformökonomie vor. Eckpunkte sind insbesondere die Rechte Solo-Selbstständiger gegenüber Plattformbetreibenden, sozialer Schutz und Altersabsicherung sowie Möglichkeiten für Zusammenschlüsse von Plattformarbeitenden. Differenziert wird dabei zwischen reinen Vermittlungsplattformen und sogenannten Arbeitsplattformen, die Vertragsgestaltung und -durchführung beeinflussen. Insbesondere Letztere sollen stärker in die Verantwortung genommen werden.

Mitbegründer und CEO der Vermittlungsplattform Helpling Philip Huffmann empfindet die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen für Selbstständigkeit als ausreichend und sieht keine Notwendigkeit für einen neuen Ordnungsrahmen. Stattdessen äußert er Sorge vor einer Überregulierung, die Solo-Selbstständigen und Plattformbetreibenden die Arbeit erschwere und dadurch den Schwarzmarkt stärken könnte. Huffmann unterstreicht die bereits im Eckpunktepapier aufgegriffene Differenzierung verschiedener Plattformmodelle und beschreibt Helpling als eine reine Vermittlungsplattform, die lediglich die technische Infrastruktur für selbstständig Arbeitende bereitstelle, darüber hinaus jedoch keinerlei Einfluss auf deren Arbeit nehme. Dass Selbstständige neben vieler Vorteile auch gewisse Risiken eingingen, sei üblich und unabhängig davon, ob die Arbeit über Plattformen koordiniert werde oder nicht. Daher sehe er keinen zusätzlichen Regulierungsbedarf.

Heil unterstützt zwar die Unterscheidung verschiedener Plattformen, weist aber auch auf die Macht von Plattformbetreibenden bezüglich der Gehälter von Arbeitenden, sozialer Absicherung und Vertragspraktiken sowie fairen Arbeitsbedingungen und einem fairen Wettbewerb hin. Nicht alles geschehe im Rahmen der Wahlfreiheit. Als Ziele nennt Arbeitsminister Heil schließlich: „Transparenz, fairen Wettbewerb, anständige Arbeits- und Tätigkeitsbedingungen, soziale Sicherheit und eben auch Rechtssicherheit.“ Diesen stimmt Huffmann zu, schätzt die bestehenden Regelungen jedoch als ausreichend für die Erreichung dieser Ziele ein.

Die Zukunft der Plattformökonomie

Zum Abschluss des Arbeitsgesprächs tauschen die Gesprächspartner ihre Vision für die Plattformarbeit im Jahr 2030 aus. Heil spricht sich für eine starke Plattformökonomie mit fairen Bedingungen für alle Beteiligten sowie für einen europäischen Ordnungsrahmen aus. Huffmann stellt sich auf eine verstärkte Globalisierung des Marktes und einen globalen Wettbewerb ein, der insbesondere durch ortsunabhängige Arbeit, etwa im IT-Sektor, vorangetrieben wird.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Podcast sowie die aktuelle Folge zum Thema „Faire Plattformarbeit“: https://www.bmas.de/DE/Service/Mediathek/Podcasts/podcast-das-arbeitsgespraech-podcast-mit-hubertus-heil.html


In the current episode of the podcast "Das Arbeitsgespräch" from the German Federal Ministry of Labour and Social Affairs, Federal Minister Hubertus Heil discusses fair platform work and the future of the platform economy with co-founder and CEO of the digital platform Helpling Philip Huffmann. While there is disagreement on concrete approaches to regulating digital platforms, the interlocutors agree on common goals.

The digital platform economy is an economic success model. Digital platforms connect service providers with customers in almost all areas of life. One example is the platform Helpling, which allows customers to book household-related services performed by self-employed people or companies. However, platform work can become problematic when employee protection is not guaranteed and precarious working conditions (e.g. with regard to the right to minimum wage, protection against dismissal and social security) arise. While the Federal Ministry of Labour is therefore proposing a new regulatory framework for the regulation of platform work, entrepreneurs like Philip Huffmann fear severe restrictions for platforms and self-employed workers as well as the strengthening of the black market.

Fair platform work

In the ninth episode of the podcast "Das Arbeitsgespräch," Hubertus Heil and Philip Huffmann discuss the issue of fair platform work. Labour Minister Heil sees opportunities in the platform economy, such as the emergence of new business models and benefits for customers, but also the danger of exploitation of workers. Precarious working conditions would be further exacerbated by shifting power relations, and instead of entrepreneurial freedom, dependent employment relationships in the sense of false self-employment could arise. Existing labour law is no longer sufficient for the digital world of work. In the fall of 2020, his ministry therefore presented a regulatory framework for fair work in the platform economy in the form of a key points paper. Key points include the rights of self-employed workers, social protection, and old-age provision, as well as opportunities for associations of platform workers. A distinction is made between pure mediation platforms and so-called work platforms that influence the drafting and implementation of contracts. The latter, in particular, are to be held more accountable.

Co-founder and CEO of the digital platform Helpling Philip Huffmann feels that the existing legal framework for self-employment is sufficient and sees no need for a new regulatory framework. Instead, he expresses concerns about overregulation that could complicate the work of self-employed workers and platform operators and could strengthen the black market. Huffmann underscores the differentiation of various platform models already addressed in the key issues paper and describes Helpling as a mediation platform that merely provides the technical infrastructure for self-employed workers, but beyond that does not exert any influence on their work. The fact that self-employed workers also take on certain risks in addition to many advantages is common and independent of whether the work is coordinated via digital platforms or not. He therefore sees no need for additional regulation.

While Heil supports the distinction between different platforms, he also points to the power of platforms in terms of platform workers' salaries, social security and contractual practices, as well as fair working conditions and fair competition. Not everything happens within the framework of freedom of choice, he says. Finally, Labour Minister Heil cites as goals transparency, fair competition, decent working and activity conditions, social security and legal certainty. Huffmann agrees with these goals but considers the existing regulations to be sufficient to achieve them.

The future of the platform economy

At the end of their discussion, the interlocutors share their vision for platform work in 2030. Heil advocates a strong platform economy with fair conditions for all participants and a European regulatory framework. Huffmann anticipates increased globalization of the market and global competition, driven in particular by location-independent work, for example in the IT sector.

You can find more information about the podcast as well as the current episode on the topic of fair platform work here (online available in German): https://www.bmas.de/DE/Service/Mediathek/Podcasts/podcast-das-arbeitsgespraech-podcast-mit-hubertus-heil.html


20/04/2021

Birte Kuhle