Redeemable preference shares: the equity instrument that allows co-operatives to stay independent

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Venture capital allows start-ups to grow their business significantly and gives investors the chance to participate from the growth of a company from an early stage onward. For platform cooperatives however, equity capital raises a major concern: control over the company is transferred to investors, which interferes with the democratic processes of a cooperative. Redeemable preference shares though, are a financial instrument which have equity characteristics and allow cooperatives to stay independent. (Deutschsprachige Version unten)

As pointed out in our blogposts Calls for sustainable investments are getting louder and How Platform Cooperatives fit the Landscape of ESG and Socially Responsible Investing, finding suitable investors can be a challenge for platform cooperatives. An aspect, we have not covered previously, are the governance problems common stock imposes on cooperatives. The problem is that common stock gives the investors voting rights and thereby interferes with the democratic processes that run every cooperative. Moreover, the investment in common stocks grants the investors the right to “sit at the table” and significantly influence the direction of the company towards their goals and visions. This is also not in line with the main idea of corporativism and leads to the problem that only few platform cooperatives have venture capital investments.

On the other hand, equity capital is an advantageous instrument to grow companies in the early stages. Venture capital is less time restrictive then debt capital and it provides a benefiting partnership between investor and start-up which crowdfunding cannot provide.

Especially, platform cooperatives can benefit from equity capital, as they need larger investments in the founding period to develop the platform, get some early traction and bridge the gap until the platform reaches a critical mass.

A financial instrument that can align the interests of the platform cooperative and potential investors are redeemable preference shares. On the continuum between debt and equity, redeemable preference shares are closer to the equity side, but also have some debt characteristics.

Redeemable in this context means that the issuer – in our case a platform cooperative – has the option to buy back the shares at a predefined date at predefined conditions. Moreover, preferred shares are an equity instrument where investors give up their voting power to have a higher claim on dividends and in case the company goes bankrupt, meaning that their claims on assets and profits are met before the claims of common stock.

This construct has the advantage that the platform cooperatives do not have to give up their democratic processes and their power over the direction of the cooperative. Due to the redeemability, investors can participate from the success of the platform cooperative and receive a return on their investments.

Redeemable Preference Shares in Action

How redeemable preference shares helped a cooperative to raise funds shows the case of Loomio, a New Zealand worker-owned tech startup which provides a group-decision-making-tool. In an interview with YES! Magazine one of Loomio’s founder Ben Knight shared his experience with finding investors as a cooperative. Knight describes the problem that the “default financing mechanisms are built on the assumption that most companies will fail” and that “traditional venture capital is not a good fit for an organization that puts its social mission first”. He also tells that Loomio did two crowdfunding campaigns but did not want to rely on the generosity of their personal network for further growth.

The reason why Loomio used redeemable preference shares is that they “needed to find a financing mechanism that was aligned with the ability to move quickly and grow appropriately”. However, Knight also points out that the system with the redeemable preference shares works for them because the investors have the same believe in the shared social mission and work close together with Loomio as trusted advisors.

As the example of Loomio shows there are financial instruments which allow platform cooperatives to receive a sort of equity capital while keeping the democratic processes intact. This allows platform cooperatives to move away from crowdfunding to finance larger projects in a faster way, which could be necessary to keep up in the competition with privately held businesses.

 

Sources:

https://www.yesmagazine.org/economy/2016/04/26/how-a-worker-owned-tech-startup-found-investors-and-kept-its-values/
 


Venture Kapital ermöglicht es Start-ups ihr Unternehmen signifikant zu vergrößern und gibt Investoren die Möglichkeit an diesem Wachstum von einem frühen Stadium an zu profitieren. Für Plattform Kooperativen aber entsteht ein Problem aus Eigenkapitalbeteiligungen: Kontrolle über das Unternehmen wird auf Investoren übertragen, was mit den demokratischen Prozessen von Kooperativen nicht vereinbar ist. Aber rückzahlbare Vorzugsaktien sind ein Finanzinstrument, das Eigenkapitalcharakteristika aufweist und es Kooperativen ermöglicht unabhängig zu bleiben.

Wie in unsren Blogbeiträgen Calls for sustainable investments are getting louder und How Platform Cooperatives fit the Landscape of ESG and Socially Responsible Investing beschrieben, kann es eine Herausforderung für Plattform Kooperativen sein, passende Investoren zu finden. Ein Aspekt, den wir bisher nicht betrachtet haben, sind die Verwaltungsprobleme, die für Kooperativen entstehen, wenn sie Eigenkapital aufnehmen. Das Problem ist, dass Eigenkapital Investoren Stimmrechte gibt und dabei in die demokratischen Prozesse eingreift, durch die sich alle Kooperativen auszeichnen. Darüber hinaus erlaubt eine Eigenkapitalinvestition es den Investoren „mit am Tisch zu sitzen“ und entscheidend die Richtung des Unternehmens nach ihren Zielen und Vorstellungen auszurichten. Auch dies passt nicht zur Grundsatzidee der Kooperativen und führt zu dem Problem, dass nur wenige Plattform Kooperativen Venture Kapital Investitionen haben.

Auf der anderen Seite ist Eigenkapital ein vorteilhaftes Finanzinstrument, um Unternehmen in Frühphasen aufzubauen. Venture Kapital ist weniger Zeit-restriktiv als Fremdkapital und bietet eine für beide Seiten profitable Beziehung zwischen Investoren und Start-ups, die zum Beispiel Crowdfunding nicht hat. Besonders Plattform Kooperativen können von Eigenkapital profitieren, da sie größere Investitionen brauchen, um die Plattform aufzubauen, erste Kunden anzuwerben und um den Zeitraum zu überbrücken bis eine kritische Masse erreicht ist.

Ein Finanzinstrument, das die Interessen von Plattform Kooperativen und Investoren vereinen kann, sind rückzahlbare Vorzugsaktien. Auf dem Kontinuum zwischen Eigenkapital und Fremdkapital sind rückzahlbare Vorzugsaktien näher am Eigenkapital weisen aber auch Charakteristika von Fremdkapital auf. Rückzahlbar in diesem Kontext bedeutet, dass der Herausgeber – in unserem Fall die Plattform Kooperative – die Option hat die Aktien an einem vorher festgelten Datum zu vorher festgelten Konditionen zurückzukaufen. Außerdem sind Vorzugsaktien ein Eigenkapitalinstrument bei dem Investoren ihre Stimmrechte aufgeben und dafür einen höheren Anspruch auf Dividenden und im Falle einer Insolvenz einen höheren Anspruch auf die Insolvenzmasse haben als normale Aktionäre. Dieses Konstrukt hat den Vorteil, dass die Plattform Kooperativen nicht ihre demokratischen Prozesse und die Freiheit über die Gestaltung des Unternehmens aufgeben müssen und auf Grund der Rückzahlbarkeit können Investoren am Erfolg der Plattform Kooperative partizipieren und erhalten eine Rendite aus ihrer Investition.

Rückzahlbare Vorzugsaktien in Aktion

Wie rückzahlbare Vorzugsaktien einer Kooperative geholfen haben Kapital aufzunehmen zeigt das Beispiel von Loomio, einem neuseeländischen Start-up, das im Besitz seiner Angestellten ist und eine Software entwickelt, die es erleichtert Entscheidungen in Gruppen zu treffen. In einem Interview mit dem YES! Magazin teilt der Gründer Ben Knight seine Erfahrungen mit dem Finden von Investoren als Kooperative. Knight beschreibt, dass eines der Problem im System ist, dass „standardmäßige Finanzierungsmechanismen annehmen, dass die meisten Unternehmen pleite gehen werden“ und dass „traditionelles Venture Kapital nicht zu Unternehmen passt, die eine soziale Mission verfolgen“. Auch erzählt er, dass Loomio zwei Crowdfunding-Kampagnen durchgeführt hat, aber nicht mehr auf die Großzügigkeit der persönlichen Netzwerke setzen wollte, um das Unternehmen weiter zu vergrößern. Der Grund warum Loomio rückzahlbare Vorzugsaktien genutzt hat ist, dass sie „einen Finanzierungsmechanismus finden mussten, der es ermöglicht schnell Entscheidungen zu treffen und entsprechend zu wachsen“. Dennoch stellt Knight auch klar, dass das System mit den rückzahlbaren Vorzugsaktien nur funktioniert hat, weil die Investoren an die soziale Mission von Loomio glauben und eng mit der Kooperative als Berater zusammenarbeiten.

Wie das Beispiel von Loomio zeigt gibt es Finanzinstrumente, die es Plattform Kooperativen ermöglichen eine Art Eigenkapital zu erhalten und gleichzeitig die demokratischen Prozesse in Takt zu halten. Dieses ermöglicht es Plattform Kooperativen sich vom Crowdfunding zu entfernen, um schneller größere Projekte zu finanzieren, was nötig seien könnte, um mit privaten Unternehmen mitzuhalten.


07/04/2020

Moritz Krohn
Prof. Dr. Dominika Wruk